Kind mit Safari-Hut sitzt in einem grünen Feld und beobachtet etwas durch einen Feldstecher.
Bild von Getty Images

Beobachten und entdecken

Beobachten, hören, fühlen, riechen, schmecken – Kinder entdecken die Welt mit allen Sinnen. Für sie ist Beobachten und Entdecken eine echte Superkraft.  

Warum ist Beobachten so wichtig? Beobachten ist die Grundlage für alles Lernen. Wer genau hinschaut, aufmerksam wahrnimmt, versteht, wie die Welt um uns herum funktioniert. Das hilft Kindern, später im Leben eigene Lösungen für Probleme zu finden.  

Kinder lernen die Superkraft Beobachten nicht nur in der Schule. Sie entwickelt sich ganz nebenbei im Alltag: Wenn Ihr Kind auf dem Spielplatz Insekten oder im Zoo Tiere genau betrachtet, auf dem Schulweg oder der Wanderung durch die Natur saisonale Veränderungen bemerkt oder am Fenster das Wetter beobachtet. Es braucht keine spezielle Ausrüstung, um Beobachter*in zu werden. Es reicht ein bisschen Zeit und Lust auf eine spannende Entdeckungsreise. 

Was Beobachten & Entdecken beinhaltet

Beobachten und Entdecken haben sehr viel mit unseren Sinnen zu tun. Es ist wie eine Detektivarbeit, die wir jeden Tag leisten können. Kinder lernen die Welt durch ihre Sinne kennen, indem sie Dinge beobachten, anfassen, erforschen und ausprobieren: 

  • Schauen: Sie beobachten fasziniert einen Bagger auf der Baustelle oder wie der Tiger im Zoo eine Antilope frisst. So verstehen sie ganz ohne Worte, wie Maschinen uns schwere Arbeit abnehmen oder wie sich eine Grosskatze ernährt.  
  • Fühlen: Wenn sie eine Brennnessel vorsichtig berühren, spüren sie ein leichtes Brennen auf der Haut. Sie merken: Auch Pflanzen können sich schützen. So lernen sie ganz nebenbei, aufmerksam zu sein und respektvoll mit der Natur umzugehen.
  • Schmecken und Riechen: Erst beim Probieren merken sie, dass eine Erdbeere süss und saftig schmeckt und wie toll es ist, wenn man die kleinen Details der Natur mit allen Sinnen geniesst. 

 

Nützlich für jedes Kind

Aufmerksam sein 

Wer lernt, genau hinzuschauen oder hinzuhören, kann sich später besser in eine Sache vertiefen und lässt sich weniger leicht ablenken. 

Soziale Fähigkeiten entwickeln 

Beim Beobachten lernen Kinder, wie andere Menschen sich verhalten und miteinander umgehen. Sie sehen, wie man Streit löst oder Freude zeigt. Das hilft ihnen im Umgang mit Freunden. 

Eigene Interessen kennenlernen 

Wer genau hinschaut, merkt, was spannend ist, und kann eigene Interessen weiterentwickeln. 

Beobachten ist der goldene Schlüssel, mit dem Kinder die Türen zu Wissen, Mitgefühl und Selbstvertrauen ganz alleine öffnen können.

Superkraft für die Jobs von morgen 

Ein*e Automechaniker*in hört am Geräusch des Motors, wo das Problem liegt. Ein*e Elektriker*in sieht sofort, welches Kabel locker ist. Wer gut beobachtet, findet Lösungen, die andere übersehen. 

Ein*e Pflegefachfrau/-mann bemerkt an kleinen Zeichen, wie es einem Patienten geht. Ein*e Tierpfleger*in sieht sofort am Verhalten eines Tieres, ob es sich wohl fühlt oder krank ist. Aufmerksamkeit macht uns zu Experten im Umgang mit Lebewesen. 

Wer gut beobachtet, sieht genau, wann der Kuchen im Ofen perfekt goldbraun ist oder ob die Farbe an der Wand überall gleichmässig deckt. Genaues Hinsehen verhindert Fehler, die später Zeit und Geld kosten würden. 

Wenn Ihr Kind schon früh lernt, sich selbst zu beobachten, merkt es schneller: „Ich arbeite gerne mit Tieren“ oder „Ich mag Technik“. Das hilft später bei der richtigen Ausbildungs- und Berufswahl. 

So unterstützen Sie Ihr Kind

Kinder sind von Natur aus neugierig. Das ist gut und wichtig. Geben Sie dieser Neugierde Raum und unterstützen Sie Ihr Kind auf seinen Entdeckungsreisen. 

Eigene Erfahrungen machen lassen 

Lassen Sie Ihr Kind seine Umgebung auf eigene Faust entdecken. Schon im Kleinkindalter sind kurze Entdeckungstouren möglich. Dies fördert die Selbstsicherheit Ihres Kindes. 

Viel in der Natur unterwegs sein 

Gehen Sie gemeinsam in den Wald, an einen Fluss oder in den Garten. Überall gibt es Neues zu entdecken. 

Raum geben fürs Beobachten 

Schaut Ihr Kind lange einem Käfer oder einem schwimmenden Pinguin im Zoo zu? Lassen Sie es zu und versuchen Sie, nicht zu hastig weiterzugehen. 

Gemeinsam Museen besuchen 

Die meisten Museen haben interaktive Ausstellungen. Da kann man ausprobieren, entdecken und ganz nebenbei viel Neues lernen. 

Zusammen experimentieren 

Probieren Sie zusammen mit Ihrem Kind die verschiedensten Dinge aus, mit Alltagsmaterialien oder auch mithilfe eines Experimentierkastens.  

Portrait von Severin Dressen
Ein Beitrag von:

Severin Dressen, Direktor Zoo Zürich

Wer genau beobachtet, versteht die Natur besser und erkennt dabei, warum ihr Schutz so wichtig ist. Unter der Leitung des promovierten Zoologen Severin Dressen engagiert sich der Zoo Zürich intensiv für den Natur- und Artenschutz. Ziel ist es, bedrohte natürliche Lebensräume zu schützen, gefährdete Tierarten langfristig zu erhalten und die Zoogäste dafür zu sensibilisieren, die weltweite Artenvielfalt zu schützen.

Ausgewählte Ideen fürs Superkraft-Training Beobachten

Fragen und Antworten

Pädagogische Spielzeuge zur Unterstützung des Imitationslernens: Es gibt zahlreiche Vorteile des Beobachtungslernens bei Kleinkindern und Expertenmeinungen zu kindlicher Nachahmung und Entwicklung: Pädagogische Spielzeuge unterstützen das Lernen durch Beobachtung (Modelllernen), indem sie Kindern ermöglichen, Handlungen anderer zu beobachten, nachzuahmen und deren Folgen zu verstehen. 

Warum Beobachtungslernen mit Spielzeug besonders wirksam ist – Pädagogische Spielzeuge verbinden drei wichtige Elemente:

  1. Beobachten – Kinder sehen ein Verhalten oder eine Strategie. 
  2. Nachahmen – Sie probieren es selbst aus. 
  3. Feedback erhalten – Das Spielzeug, andere Kinder oder Erwachsene zeigen, ob die Handlung erfolgreich war. 

Dadurch wird Wissen nicht nur aufgenommen, sondern aktiv angewendet und gefestigt. Besonders wirksam sind Spielzeuge, die gemeinsames Spielen fördern, weil Kinder dann voneinander lernen können.

Eltern können die Beobachtungsgabe ihrer Kinder gezielt fördern, indem sie Gelegenheiten schaffen, genau hinzusehen, zuzuhören und Zusammenhänge zu entdecken. Dabei geht es weniger um Auswendiglernen als um Aufmerksamkeit, Neugier und bewusstes Wahrnehmen.

Der wichtigste Faktor dabei ist, den Kindern Zeit für Entdeckungen zu lassen. Denn Beobachtung entwickelt sich besonders gut, wenn Kinder nicht ständig beschäftigt sind oder unter Zeitdruck stehen. Freies Spielen, Spaziergänge und gemeinsame Gespräche bieten oft mehr Lerngelegenheiten als zusätzliche Lernprogramme oder Übungen. Kinder, die Gelegenheit haben, ihre Umwelt selbstständig zu erkunden, entwickeln meist eine aufmerksamere und differenziertere Wahrnehmung.

Anstatt Online-Kurse für Eltern vorzustellen, die das Beobachtungslernen bei Kindern unterstützen, oder Empfehlungen für Bücher über frühkindliche Lernprozesse abzugeben, finden Sie deshalb im Folgenden etwas viel Wertvolleres: praxisnahe Tipps, die Sie einfach im Alltag mit Ihren Kindern einbauen können. 

  1. Gemeinsam über Beobachtungen sprechen: Statt Informationen vorzugeben, können Eltern offene Fragen stellen.
  2. Natur erkunden: Die Natur bietet unzählige Beobachtungsmöglichkeiten.
  3. Langsames und konzentriertes Beobachten üben: Viele Kinder sind daran gewöhnt, schnell von einem Reiz zum nächsten zu wechseln – Suchbilder und Wimmelbücher erfordern längeres Verweilen.
  4. Kreative Tätigkeiten fördern: Zeichnen, Fotografieren oder Basteln erfordern genaues Hinsehen.
  5. Gemeinsam Experimente durchführen: Einfache Experimente fördern die Fähigkeit, Veränderungen wahrzunehmen und Muster zu erkennen.
  6. Vorbild sein: Kinder lernen viel durch Beobachtung anderer. Wenn Eltern selbst aufmerksam sind und ihre Beobachtungen teilen, wirkt das positiv ansteckend.
  7. Gedächtnis- und Beobachtungsspiele nutzen: Spiele wie Memory, Suchspiele oder Unterschiede-Bilder verbinden Aufmerksamkeit mit Spass und trainieren das genaue Wahrnehmen.
  8. Soziale Beobachtung fördern: Kinder können auch lernen, andere Menschen aufmerksam zu beobachten. Das stärkt gleichzeitig Empathie und soziale Kompetenz.

Beobachten und entdecken hängen eng zusammen, beschreiben aber unterschiedliche Vorgänge. Man könnte es so formulieren: Beobachten ist der Weg, Entdecken oft das Ziel. Allerdings kann man auch etwas zufällig entdecken, ohne es vorher bewusst beobachtet zu haben.

Auf einen Blick: Der Unterschied zwischen beobachten und entdecken

Beobachten

  • Informationen wahrnehmen
  • Prozess
  • „Ich schaue genau hin.“
  • Kann ohne neue Erkenntnis stattfinden

Entdecken

  • Etwas Neues erkennen
  • Ergebnis oder Erkenntnis
  • „Jetzt habe ich etwas herausgefunden.“
  • Führt zu einer neuen Erkenntnis

Beobachten bedeutet, etwas gezielt und aufmerksam wahrzunehmen. Dabei sammelt man Informationen mit den Sinnen, ohne dass zwangsläufig etwas Neues gefunden wird. 

Entdecken bedeutet, etwas Neues zu finden, zu erkennen oder zu verstehen. Eine Entdeckung ist häufig das Ergebnis von Beobachtungen, kann aber auch zufällig geschehen.

Der Zusammenhang: Oft führt Beobachten zum Entdecken

Beobachtet man etwas aufmerksam, fällt häufig ein Muster, Detail oder Zusammenhang auf = Man entdeckt etwas Neues. Wenn z.B. ein Kind über mehrere Tage eine Pflanze beobachtet, bemerkt es, dass sie sich zum Fenster neigt und entdeckt damit, dass Pflanzen zum Licht hin wachsen.

Was lernen Kinder durch Beobachten in digitalen Lernspielen? Und welche Lernplattformen bieten Programme zum Beobachtungslernen für Kinder an? 

„Lernen durch Beobachtung“ wird in der Psychologie als Beobachtungslernen oder Modelllernen bezeichnet. Dafür sind besonders solche Apps geeignet, die Handlungen vormachen, Problemlösungen demonstrieren oder soziale Situationen modellieren.

Apps sind am wirksamsten und fördern Beobachtungslernen besonders gut, wenn sie:

  • ein Verhalten oder eine Fähigkeit sichtbar vormachen,
  • die einzelnen Schritte erklären,
  • dem Kind anschliessend Gelegenheit geben, es selbst auszuprobieren,
  • direktes Feedback geben.

Für jüngere Kinder ist es ausserdem oft deutlich effektiver, die App gemeinsam mit Eltern oder Lehrpersonen zu nutzen als allein, weil Erwachsene das Beobachtete kommentieren und einordnen können.

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