Eine Gruppe von Kindern wandert in der Natur.
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Ausflüge mit Kindern in die Natur: Rausgehen, aber richtig!

In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, warum Unternehmungen mit Kindern in der Natur für die Entwicklung Ihres Kindes so wichtig sind und wie Sie den Tagesausflug mit Kindern ins Grüne so vorbereiten, dass alle Spass haben – auch wenn es mal regnet oder ein Kind keine Lust hat. 

Ein Beitrag von:

Marius Tschirky, Naturpädagoge, Musiker und Autor

Eines der besten Familien-Ausflugziele ist die Natur, denn sie ist der grösste und tollste Spielplatz der Welt. Hier gibt es keine festen Regeln, keine blinkenden Bildschirme und keine fertigen Antworten. Stattdessen gibt es bei einem solchen Familienausflug weiches Moos, Käfer, raschelnde Blätter und unendlich viel Platz zum Entdecken. Ein Erlebnis mit Kindern in der Natur ist gratis und doch unbezahlbar.

Viele Eltern fragen sich vor einem Kinderausflug: „Warum soll ich überhaupt in den Wald gehen? Ist das nicht langweilig oder sogar gefährlich?“ 

Ausflugsziele mit Kindern in der Natur

Eine der besten Ausflugideen mit Kindern ist ein Tag draussen an der frischen Luft. Es gibt viele Gründe, warum Kinder Zeit im Freien verbringen sollten. Es geht dabei nicht nur um Bewegung, sondern um das gesamte Wohlbefinden und die Art, wie Kinder lernen. 

Wir Menschen sind ein Teil der Natur. Früher haben wir viel mehr draussen gelebt. Heute verbringen wir viel Zeit in geschlossenen Räumen, hinter Fenstern oder vor Fernsehern. Wenn Kinder in der Natur sind, kommen sie oft richtig zur Ruhe. Sie können dort einfach mal abschalten und den Alltagsstress vergessen. Das tut ihnen gut und hilft gegen Stress, unter dem heute leider auch schon viele Kinder leiden. 

Wussten Sie, dass die Natur das Gehirn Ihres Kindes regelrecht „füttert“? Die Natur ist ein Feuerwerk aus Eindrücken: der Geruch von feuchtem Moos, das Zwitschern der Vögel, die leuchtenden Farben der Blumen und die unterschiedlichen Formen von Steinen. Das Gehirn der Kinder bildet bei solchen Erlebnissen wichtige Verbindungen (die sogenannten Synapsen). Diese Verbindungen sind eine wichtige die Grundlage für alles spätere Lernen. Wenn ein Kind draussen die Welt begreift, lernt es später auch in der Schule leichter, wie Dinge zusammenhängen. 

Jedes Kind wird mit der Fähigkeit geboren, neugierig zu sein und sich in der Natur zurechtzufinden. Wir müssen diese Fähigkeiten nur wieder „aufwecken“. Draussen lernt Ihr Kind, auf sich selbst zu vertrauen, vorsichtig zu klettern und die eigenen Sinne (Hören, Sehen, Fühlen) zu schärfen. Das macht Kinder nicht nur schlauer, sondern auch gesünder und ausgeglichener. 

Draussen lernt Ihr Kind wichtige Grundlagen. Wer beobachtet, wie Wasser fliesst, wie schwer Steine sind oder wie sich Pflanzen verändern, versteht physikalische und biologische Regeln ganz automatisch. Ausserdem fördert die Natur die Geduld und die Konzentration – beides Dinge, die für gute Schulnoten und fast jeden späteren Beruf unverzichtbar sind. 

Die Natur ist das beste Lernfeld der Welt: Hier entdecken und trainieren Kinder ganz spielerisch all die Fähigkeiten, die sie für ihr späteres Leben brauchen.

Vorbereitung und Durchführung von Ausflügen mit der Familie

Der Erfolg eines Ausflugs steht und fällt oft mit der Vorbereitung. Wenn das Kind friert oder nasse Füsse bekommt, ist die gute Laune schnell weg. 

Die richtige Kleidung und der Zeckenschutz 

Ein Kind, das nass ist oder friert, kann die Natur nicht geniessen. Die ganze Energie geht dann in das Gefühl: „Mir ist kalt.“ Wenn Sie sich jetzt fragen, wo Sie wasserdichte Outdoor-Bekleidung für Kleinkinder kaufen können, können wir Sie beruhigen – die folgenden Tipps funktionieren garantiert, ganz ohne zusätzliche Ausgaben:

Tipp bei Regen

Wenn Niederschlag angesagt ist oder Sie an einen Fluss gehen, nehmen Sie immer Ersatzsocken mit.

Der „Raschelsäcklein“-Trick

Das ist ein echter Geheimtipp! Wenn die Schuhe und Socken nass geworden sind, ziehen Sie dem Kind frische, trockene Socken an. Dann stülpen Sie ein kleines Plastiksäckchen über die Socke und schlüpfen erst dann zurück in den nassen Schuh. Der Fuss bleibt trocken und warm!

Schutz vor Zecken

Ziehen Sie die Socken über die Hosenbeine Ihres Kindes. Schauen Sie, dass es einen langen Pulli mit festen Bündchen an den Ärmeln trägt. Suchen Sie Ihr Kind nach dem Waldbesuch nach Zecken ab (Schambereich, Bauchnabel, hinter den Ohren). 

Rücksicht auf die Waldbewohner (Besonders im Frühling) 

Schutz der Brutstätten

Im Frühling sollten Sie auf den Wegen bleiben, um Bodenbrüter und Jungtiere nicht zu stören.

Raucharme Feuerstellen

Achten Sie beim Feuern im Frühling auf möglichst wenig Rauch, da dieser für Jungvögel in den Nestern tödlich sein kann. Je trockener das Holz, desto besser.

Die Vorbildfunktion der Eltern (Leitwolf sein) 

In der Natur schauen Kinder ganz genau darauf, wie sich die Erwachsenen verhalten. Wenn Sie Ekel vor einer Schnecke zeigen oder ständig Angst haben, kann sich das auf Ihr Kind übertragen. 

Ehrliche Kommunikation

Statt zu sagen: „Du fällst runter!“, können Sie es z.B. so formulieren: „Ich möchte nicht, dass du da hochkletterst, weil ich Angst habe, dass du dir wehtust. Bitte mach mir den Gefallen.“

Ruhe durch Vorbereitung

Überlegen Sie sich vorher kurz Lösungen für kleine Pannen (z. B. wenn das Kind mal „muss“ oder sich schneidet). Wer einen Plan hat, bleibt ruhiger – und Ihre Ruhe gibt dem Kind die Sicherheit, die es zum Entdecken braucht.

Feste Regeln und eine „Basis“

Definieren Sie einen Platz für Rucksäcke und Material als Ihre „Basis“. Wenn Ihre Kinder noch wenig Erfahrung im Wald haben, bleiben sie am Anfang automatisch in Ihrer Nähe. Die Basis gibt ihnen aber den Mut, auch mal ein Stück weiter weg zu gehen, weil sie wissen, dass dort jemand auf sie wartet.

Gefahren gemeinsam checken

Prüfen Sie als Eltern die Umgebung der Basis (z. B. auf tiefes Wasser). Bei älteren Kindern können Sie Regeln gemeinsam verhandeln. Wenn Sie Ihre Kinder stark machen und ihnen vertrauen, halten sie sich viel eher an Abmachungen. 

Ausflugstipps mit Kindern: Die Ausrüstung für den Abenteuer-Rucksack

Sie brauchen kein riesiges Gepäck. Diese einfachen Dinge machen den Ausflug spannender und sicherer: 

Ein Sackmesser

Zum Schnitzen oder um Dinge genauer zu untersuchen (natürlich unter Aufsicht). 

Ein Seil oder eine Schnur

Damit kann man Hütten bauen oder Dinge zusammenbinden. 

Feuerzeug oder Zündhölzer

Wenn man an einer erlaubten Stelle ein Feuer machen möchte. 

Ein Bestimmungsbuch 

Um zu schauen, wie der Baum oder der Käfer heisst (hilfreich, wenn das Handy mal keinen Empfang hat). 

Picknickdecke

Für Pausen und gemütliches Essen. 

Kleines Erste-Hilfe-Set 

Ein paar Pflaster und Desinfektionsmittel reichen meistens aus. 

Fazit: Nehmen Sie Mut und ein Pflaster mit und trauen Sie sich raus! Ihr Kind wird es Ihnen mit leuchtenden Augen, neuen Entdeckungen und einem gestärkten Selbstvertrauen danken. 

In der Natur spielen: Superkräfte für die Zukunft

Die Natur ist das grösste Entdecker-Labor der Welt und stärkt Kinder für eine Welt im Wandel. Wer lernt, aus Stöcken Brücken zu bauen, Tierspuren zu deuten und trotz Rückschlägen dranzubleiben, trainiert ganz spielerisch Kreativität, Logik und Resilienz. Diese Superkräfte helfen im Alltag - und weit darüber hinaus. 

Portrait von Marius Tschirky
Ein Beitrag von:

Marius Tschirky, Naturpädagoge, Musiker und Autor

Tschirky ist Naturpädagogik-Pionier und Mitgründer des ersten Waldkindergartens und der ersten Waldschule der Schweiz.

Heute gibt er Weiterbildungen in Naturpädagogik, schreibt Kolumnen zum Thema. (www.sonnwendlig.ch)

Er ist Frontfigur der Kinderband Marius & die Jagdkapelle für die er die Lieder schreibt und komponiert. Zudem produziert und moderiert er den Podcast Radio Waldrand, in dem Kinderfragen out of the Box, Geschichten und Gedanken aus seinem kreativen Kosmos zusammenfinden.

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Fragen und Antworten

Das Tolle an der Natur ist: Sie kostet nichts! Der Eintritt in den Wald oder den Stadtpark ist kostenlos. Sie brauchen keine teuren Eintrittskarten für Erlebnisparks. Ein Picknick mit Brot und Äpfeln von zu Hause schmeckt draussen im Wald oft viel besser als ein teures Essen im Restaurant. Die Natur ist der günstigste Weg, seinem Kind eine glückliche und lehrreiche Zeit zu schenken. 

Naturerlebnisse mit Kindern bei Regenwetter

Selbst Regen muss Naturerlebnisse nicht verhindern – für viele Kinder wird er sogar zum eigentlichen Abenteuer. Mit wettergerechter Kleidung können Regentage spannende Möglichkeiten bieten, Natur aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben.

Für viele Kinder bleibt gerade das Springen in Pfützen, das Beobachten von Schnecken und das Entdecken eines „verzauberten“ Waldes im Regen besonders lange in Erinnerung – oft mehr als ein Ausflug bei perfektem Wetter.

Ideen für naturnahe Kindergeburtstage organisieren

Ein naturnaher Kindergeburtstag verbindet Abenteuer, Bewegung und Entdecken. Je nach Alter der Kinder und Jahreszeit gibt es viele Möglichkeiten, die Natur zum eigentlichen Erlebnis zu machen. Besonders beliebt ist eine Kombination aus:

  1. Schatzsuche 
  2. Forscherstationen (Insekten beobachten, verschiedene Blätter sammeln, Vogelstimmen erkennen oder Natur-Rätsel lösen)
  3. Outdoor-Olympiade (Zapfen-Zielwurf, Baumstamm-Balancieren, Sackhüpfen auf der Wiese, Natur-Memory, Barfusspfad, etc.)
  4. Lagerfeuer mit Stockbrot (Taschenlampenwanderung, Sternbilder suchen, Nachtgeräusche erkennen, Geschichten erzählen)

Dies funktioniert für viele Kinder zwischen 6 und 10 Jahren sehr gut, weil sie Bewegung, Entdecken und gemeinsames Erlebnis verbindet. Dabei steht nicht die Animation durch Erwachsene im Mittelpunkt, sondern das Erkunden der Umgebung und das gemeinsame Abenteuer.

Wenn Sie das Glück haben, einen eigenen Garten vor der Haustür oder einen Schrebergarten zu besitzen, können Sie diesen ganz einfach kindgerecht und naturnah gestalten – mit sicheren Pflanzen für den Garten, die Kinder erkunden können. So wird der Garten gleichzeitig Spielplatz, Klassenzimmer und Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Und keine Sorge: Ein kindgerechter und naturnaher Garten muss nicht perfekt gepflegt aussehen. Oft sind gerade die „wilden“ Ecken die spannendsten Orte für Kinder. Ziel ist es, einen Raum zu schaffen, der zum Entdecken, Beobachten, Spielen und Kreativsein einlädt. Was aus Erwachsenensicht „unaufgeräumt“ wirkt, bietet häufig die interessantesten Naturbeobachtungen.

Schaffen Sie verschiedene Erlebnisbereiche, Wiesen zum Rennen und Spielen, Verstecke aus Sträuchern, einen kleinen Nutzgarten / Naschgarten mit Obst und Gemüse, einen Sand- und Matschbereich, eine Naturbeobachtungsecke. Ein kleiner Teich oder eine flache Wasserstelle schaffen spannende Beobachtungsmöglichkeiten, z.B. von Libellen, Wasserläufern oder kleinen Amphibien.

Bevorzugen Sie heimische Pflanzen wie Kornblume, Wiesen-Salbei oder Holunder, denn diese fördern die Artenvielfalt und ziehen Tiere an. Besonders interessant für Kinder ist es nämlich, Vögel, Schmetterlinge und Marienkäfer zu beobachten, Bienen und Hummeln zu entdecken, die verschiedenen Jahreszeiten zu erleben. Ideale Lebensräume für Tiere können Insektenhotels sein, Totholz- oder Steinhaufen, Laubberge, eine Vogeltränke oder kleine Wildblumenflächen. 

Wenn das Ziel ist, den Naturbezug zu fördern, sind die besten Outdoor-Spielzeuge oft diejenigen, die Kinder nicht von der Natur ablenken, sondern ihnen helfen, sie zu beobachten, zu erforschen und aktiv zu gestalten. Aus pädagogischer Sicht sind meist nicht die teuersten Spielzeuge am wirksamsten, sondern Materialien, die Beobachten, Entdecken, Forschen und Gestalten ermöglichen:

  • Forscherausrüstung wie Lupe, Fernglas, Kompass und Sammelbehälter für Naturfunde
  • Gartengeräte für Kinder wie kleine Schaufeln, Rechen oder Giesskannen
  • Hochbeete in Kinderhöhe
  • Sand-, Wasser- und Matschspielzeug wie Eimer, Schaufeln, Siebe und Matschküchen
  • Lose Naturmaterialien zum Bauen: Baumstämme und Äste, Weidenruten, Seile, Holzklötze
  • Tier- und Pflanzenbeobachtungsstationen: Eine gut ausgestattete Naturforscherstation kann Bestimmungskarten, Sammelschalen, Mikroskope für Kinder und Wetterinstrumente enthalten.

Diese Angebote unterstützen nicht nur Naturwissen, sondern auch Kreativität, Motorik, Selbstständigkeit und die emotionale Verbundenheit mit der Natur.

Das kennen viele Eltern. Oft hilft es, den Ausflug nicht als „Spaziergang“ zu verkaufen, sondern als „Abenteuer“ oder „Mission“. Gehen Sie nicht einfach nur geradeaus, sondern suchen Sie sich ein Ziel: „Wir suchen heute fünf verschiedene Blätter" oder „Wir wollen heute eine kleine Hütte aus Ästen bauen“. Sobald Kinder im Wald sind und anfangen zu spielen, vergessen sie meistens schnell, dass sie eigentlich gar nicht gehen wollten. 

Gefahren lauern überall, auch im Strassenverkehr oder im Haushalt. Im Wald lernt Ihr Kind jedoch, Gefahren selbst einzuschätzen. Ein Kind, das lernt, auf einen Ast zu treten und zu spüren, ob er hält, entwickelt ein viel besseres Körpergefühl. Begleiten Sie Ihr Kind am Anfang und setzen Sie klare Grenzen (zum Beispiel: „Wir bleiben immer in Sichtweite“). So wird der Wald zu einem sicheren Ort zum Lernen. 

Falls Sie sich selbst im Wald unwohl fühlen oder keine Ahnung von Pflanzen haben, spielt das überhaupt keine Rolle. Sie müssen kein/e Biologie-Expert*in sein. Es reicht, wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Kind staunen. Sagen Sie ruhig: „Schau mal, wie interessant dieser Stein aussieht. Ich weiss auch nicht genau, was das ist, aber lass ihn uns mal genauer anschauen.“ Es geht nicht um das Wissen, sondern um das gemeinsame Erleben. Wenn Sie sich unwohl fühlen, suchen Sie sich Wege, die gut markiert sind, oder gehen Sie mit Freunden zusammen. Je öfter Sie rausgehen, desto sicherer werden Sie sich fühlen.

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